Covid 19

Wer sich heutzutage fürchtet, tut sich leicht(er): Er fürchtet sich VOR etwas. In der Regel davor, dass eine bestimmte Situation eintritt. Er fürchtet sich, sich oder seinerseits andere anzustecken, krank zu werden, dahinzusiechen. Also wappnet er sich mit Atemmasken, schluckt Vitamine, stärkt sein Immunsystem, isoliert sich, folgt politischen Vorgaben, raunzt andere Menschen an, wenn der geforderte Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten wird. Angst zu haben jedoch ist wie Don Quijotes Kampf gegen Windmühlen. Angst entzieht sich. Wo, was, wer und wie sind die Angstgespinste, gegen die ich mein Schwert erheben kann?

Kurz: Wer sich fürchtet, kann sich rüsten, kann etwas TUN. Wer sich ängstigt, glaubt sich ausgeliefert, sieht sich wehrlos, hilflos.

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Durch den vernebelten Morgenregenschleier entdecke ich eine vertraut wirkende Gestalt, einen Regenschirm über sich haltend, die steile Treppe zum Kirchlein hinaufsteigen. Ich hüpfe hoch, reiße beide arme winkend hoch und renne ihr, immer zwei Treppenstufen auf einmal nehmend, entgegen.
Erst, als die Frau einen Meter von mir entfernt ist, erkenne ich, dass ich sie eben nicht kenne. „Oh“, sage ich, „entschuldigen Sie – ich habe Sie verwechselt!“
Die Dame grinst mich an: „Das macht gar nichts – man sieht heute so selten freundliche Gesichter!“
„Ja“, stimme ich zu und halte mir eine Hand vor den Mund, „das liegt wohl auch an der aktuellen Maskerade – sie schottet uns voneinander ab!“
Und wir beginnen eine angenehme Plauderei über das, was uns als Menschen verbindet, was uns wichtig ist, während wir uns langsam einregnen lassen und das aufgehende Rosenrot die Stadt

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In meiner Studentenzeit verdiente ich mir mein Auskommen selbst. Einmal hatte ich einen kleinen Job: Bei einem großen Event heuerte ich als Wahrsagerin, als Orakel an. Es war ein riesig inszeniertes Firmensommerfest, und ich rückte mit einem bunten Zelt, meinen Tarotkarten, einer Glaskugel und meiner schwarzen, langen Perücke an. Ich war relativ bewandert im Hand- und Karten lesen. Manch einer mag sich fragen, woher diese Kenntnisse stammten - hatte ich doch bereits Psychologie studiert, die sich, damals noch stärker als heute, als Naturwissenschaft etabliert glaubte. Die stärksten Gegner der Naturwissenschaft sind wohl Esoterik, sind Mystik und Prophetentum – wie vielleicht die Theologie das Hinterfragen der Philosophie herausfordert: Und genau deswegen tauchte ich in deren Abgründe ein – ich wollte verstehen, nach welchen Prinzipien sie sich richten.

Sobald ich meine Orakelstätte eingerichtet hatte, in

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In der Psychotherapie gehen uns die Ressourcen aus: Wenn im Rahmen der Behandlung von Depressionen, aber auch von Angst- und Suchterkrankungen, es i.d.R. immer dazu gehört, einen Aktivierungsplan mit einem Genusstraining zu verknüpfen, ist es heute selten, auf die Frage: „Was tut Ihnen gut, was machen Sie gerne?“ mehr als ein hilfloses Schulterzucken zu erhalten.

„Ja, Depressive kommen kaum an ihre Ressourcen“, mag nun jemand argumentieren, doch deswegen schieben wir gerne die Frage nach „Was haben Sie früher gerne getan?“. Die meisten von uns werden im Laufe der Karrierejahre so von Zeitmangel in die Knechtschaft genommen, dass vieles von dem, was uns in früheren Lebensphasen noch zugänglich war (und seien es Spieleabende mit Freunden, Städtetrips, Saunabesuche oder Tennis!), abhanden gekommen ist. Doch erinnern wir, dass uns diese Aktivitäten früher einmal Freude bereiteten, uns vielleicht auch in schwierigen Zeiten, Krisen, stabilisierten... Was bleibt davon heute? ... Weiterlesen ...