Ein Trauma und damit eine posttraumatische Belastungsreaktion / -störung kann entstehen, wenn sich ein Lebewesen einem existenzbedrohenden Ereignis ausgeliefert gegenübersieht: Diesem Kriterium des „vitalen Ereignisses“ (es geht um Leben oder Tod bzw. um die physische und / oder psychische Integrität der Person selbst oder eines anderen Menschen) schließen sich die Kriterien der Hilflosigkeit und der fehlenden Bewältigungsstrategien an. Dazu kommt, dass dieses Ereignis mein Verständnis von mir und meiner Welt erschüttert (Selbst- und Weltbild sind beeinträchtigt).

Trauma können dabei als komplexe Traumatisierung bereits in der Kindheit entstehen, verursacht durch Bindungs- bzw. Entwicklungstraumata. Ebenso können singuläre Ereignisse posttraumatische Belastungsreaktionen bedingen, wie sie z.B. durch Unfälle, Nahtoderfahrungen oder auch Erkrankungen entstehen.

 

In der freien Wildbahn verfügt der Organismus eines Säugetiers über ausreichend autonome Strategien, um ein Erlebnis, das traumatischen Impakt haben könnte zu verarbeiten: Der Körper verfügt über einen eigenen Mechanismus der Selbstregulation. Bei zivilisierten Tieren wie auch dem Menschen ist dieser heilsame Traumaverarbeitungszyklus oft unterbrochen: Statt das das Trauma integriert werden kann und damit als vergangenes Erlebnis auf der Zeitachse (timeline) abgelegt werden kann, infiltriert es immer wieder die Gegenwart und wirkt so bis in die Zukunft negativ.

 

Wenn es gelingt, auf organismischer Ebene das Trauma zu verarbeiten, kann es aufhören, seine negativen Wirkungen bis ins gegenwärtige Erleben auszuüben.

Die Somatic Ego State Therapie als traumaspezifischer Ansatz kombiniert Somatic Experiencing (SE) mit hypnotherapeutischen Ansätzen.

SE ist dem Focusing (nach Eugen Gendlin, der ein Schüler Carl Rogers´ war) entlehnt und von Peter Levine als traumatherapeutischer Ansatz weiter entwickelt worden. Die Essenz von SE ist die Wiederherstellung der selbstregulatorischen Fähigkeiten des Organismus. Über Stabilisieren und der darauf folgenden gezielten „Neuverhandlung“ der traumatischen Erlebnisse wird dem Lebewesen auch auf primär bio-physiologischer Ebene die Möglichkeit eröffnet, den Traumazyklus abzuschließen.

Aufbauend auf der Polyvagal-Theorie von Stephen Porges können auch Bindungstraumata reguliert werden: Durch therapeutische Co-Regulation wird der ventrale Vagus im Erleben „wieder angegliedert“. Denn bei uns höheren Säugetieren ist Beziehung, ist Bindung der wichtigste Faktor, der vor Traumatisierungen schützt und sogar frühere negative Bindungserfahrungen heilen lassen kann.

 

So geht es im SEST immer wieder darum, die einzelnen beteiligten Ego States auch über ihre körperliche Korrespondenz aufzuspüren. Hierbei gehen wir davon aus, dass dieses unverarbeitete Erlebnis als abgespaltener Ich-Anteil in der Zeit fest gefroren ist und dementsprechend die weitere Entwicklung der Person nicht miterlebt. So geschieht es, dass im Rahmen einer Posttraumatischen Belastungsstörung bestimmte Gefühle als überflutend erlebt werden: Die Ressourcen fehlen, um überschießende Affekte regulieren zu können.

Mittels der SEST und SE können Dissoziationen wie überschießende Aktivierungen durch spezifische Techniken behandelt werden.