In vielen Familien lässt sich eine Dynamik beobachten, in der eine weibliche Figur – häufig die Mutter oder eine ältere Schwester – eine besondere emotionale Zentralstellung einnimmt. Ihr psychisches Befinden, ihre Stimmungen und unausgesprochenen Bedürfnisse wirken wie ein stilles Leitsystem für das gesamte Familiensystem. Dieses Phänomen lässt sich als Bienenköniginnen-Syndrom beschreiben: Eine verdeckt narzisstische Struktur, die sich hinter einem Bild von Fürsorglichkeit, Selbstaufopferung und moralischer Überlegenheit verbirgt. Im Zentrum dieses Syndroms steht nicht der offene, grandiose Narzissmus, sondern seine verdeckte Form. Die Bienenkönigin tritt nicht laut auf, sondern erscheint nach außen hin als uneigennützig, stets bemüht um das Wohl aller. Doch genau in dieser scheinbaren Selbstlosigkeit liegt ihre Macht: Indem sie sich als unverzichtbar, überverantwortlich und sensibel für die Leiden der anderen inszeniert, bindet sie das emotionale Kapital der Familie an sich. Ihre...