Agape

Wir sitzen uns im Pub gegenüber, enttäuscht starre ich in mein Stout: Vor 25 Jahren in Dublin schmückte den Schaum noch ein Kleeblatt. Also stupse ich mit dem Zeigefinger ein Gesicht, einen lachenden Smiley, in die fest-weiche Konsistenz des Schaums. Ich staune, wie sehr und unmittelbar mir das, was ich jetzt erlebe, gegeben ist.
„Ich verstehe ja jetzt mit meinem Ingenieurs-Verstand theoretisch ungefähr“, sagt meine Begleitung und ich muss schmunzeln: macht er sich doch gerne kleiner, als er ist, „was Viktor Frankl mit seinen drei Pfeilern der Liebe, also Eros, Filia und Agape, meint... aber kannst du vielleicht ein Beispiel bringen?“

Eine meiner seltsamen Angewohnheiten ist, wenn ich nachdenke, über die rechte Schulter meines Gegenübers ins Leere zu blicken, so als dort ob der Himmel eine nur für mich sichtbare Schriftrolle mit meiner Antwort, die ich geben will, entfaltet. Doch nun begegnet mein Blick für eine

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