Empathie hat eine Kehrseite: Dann, wenn es darum geht, uns von jemanden zu distanzieren, der uns Unrecht tut oder eine unangenehme Situation zu beenden. Sehr schnell sind wir aus unserer Empathie heraus dabei, Verständnis für die andere Person, für den „Täter“ aufzubringen unser eigenes Verhalten, unsere eigene Empfindung zu hinterfragen. Und dabei ginge es doch, ganz im Sinne des Selbstschutzes, für sich selbst einzustehen, vielleicht auch, die Flucht zu ergreifen.

Doch was fehlt, ist Empathie mit uns selbst: Wir sind zu sehr beim Anderen, zu wenig bei uns selbst. Es können Kleinigkeiten sein, die sich aufsummieren: Der Nachbar, der seinen Zigarettenqualm auf den Flur lüftet, der Vermieter, der dich abfällig behandelt... Es können die ganz großen Dinge sein: Dein Partner, der dich hintergeht, der dich beleidigt und beschimpft... 

Immer wieder versuchen wir nun, ins Gespräch zu kommen, die Situation zu verbessern, uns mit dem anderen Menschen doch noch zu arrangieren, arbeiten an uns, schlucken Kränkungen hinunter, reden uns ein, wir müssten doch noch gelassener, noch toleranter, noch verständnisvoller sein. Vielleicht wundern wir uns bald, dass uns jeder Tag ein wenig mühsamer erscheint. Wir reagieren vielleicht plötzlich gereizt, genervt oder emotional, unsere Stresstoleranz sinkt. Denn natürlich ändert sich an den Fakten nichts, wenn wir verstehen, weshalb sie gegeben sind oder weshalb sich jemand auf eine bestimmte Weise verhält.

 

Doch eines Tages, vielleicht morgen, vielleicht in einem Jahr, da wachst du auf und du weißt: Es ist Zeit zu gehen. Du spürst, dass du getan hast, was du konntest, deine Aufgabe ist getan. Jetzt ist die Zeit, in deinem eigenen, befreiten Leben weiterzuziehen. Und so packst du dich zusammen, richtest dich auf, betrachtest doch selbst mit einem liebevollen Blick und flüsterst dir zu: „Da hast du echt viel ausgehalten!“, drehst dich um und wanderst los. Denn wenn sich etwas, das für dich nicht erträglich ist, nicht ändern lässt, dann musst du gehen. Sei empathisch mit dir selbst!

 

Und auch für mich ist es Zeit, weiterzuziehen: Ab Mai 2018 ist meine Praxis in der Philippine-Welser-Straße 21, direkt am Moritzplatz, in den Räumen der Gemeinschaftspraxis Vital B Well zu finden.