Liebe

Draußen ist es schon dunkel, als du zum Hörer greifst, um deinen Befund zu erfragen. Für dich ist es pro forma, du weißt schon längst, was für dich an der Reihe ist. Seit einem Jahr spürst du den Knoten in deiner Brust, und doch musste erst dein Himmel für dich einstürzen, dass du bereit warst, dir Gewissheit zu verschaffen.
Der Stimme am anderen Ende der Leitung fällt es hörbar schwer, ihr Urteil zu sprechen: Unter viele „Ähm“s und „Ah“s sollen die Signalworte einblenden, doch du verstehst: Es ist ein bösartiger Tumor, ein Karzinom, es muss raus, besser jetzt als später, danach wird man sehen, sicher sind Bestrahlen, Antihormontherapie, eine Chemo ist noch ungewiss.
Und du nickst, bis dir einfällt, dass die andere Person dich ja nicht sehen kann, also lächelst du, vielleicht kann sie das hören. Dann legst du auf und wartest, wartest, dass sich etwas, irgendetwas, in dir tut. Doch nichts als Stille echot dir zurück, selbst das Klirren deines zerspringenden Herzens ist

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Wir sitzen uns im Pub gegenüber, enttäuscht starre ich in mein Stout: Vor 25 Jahren in Dublin schmückte den Schaum noch ein Kleeblatt. Also stupse ich mit dem Zeigefinger ein Gesicht, einen lachenden Smiley, in die fest-weiche Konsistenz des Schaums. Ich staune, wie sehr und unmittelbar mir das, was ich jetzt erlebe, gegeben ist.
„Ich verstehe ja jetzt mit meinem Ingenieurs-Verstand theoretisch ungefähr“, sagt meine Begleitung und ich muss schmunzeln: macht er sich doch gerne kleiner, als er ist, „was Viktor Frankl mit seinen drei Pfeilern der Liebe, also Eros, Filia und Agape, meint... aber kannst du vielleicht ein Beispiel bringen?“

Eine meiner seltsamen Angewohnheiten ist, wenn ich nachdenke, über die rechte Schulter meines Gegenübers ins Leere zu blicken, so als dort ob der Himmel eine nur für mich sichtbare Schriftrolle mit meiner Antwort, die ich geben will, entfaltet. Doch nun begegnet mein Blick für eine

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