Gedanken des Tages

Früher war vielleicht nicht alles besser – aber vieles vertrauter, gewohnter. Vielleicht wird uns, je älter wir werden, das Festhalten an Bekanntem deswegen so viel wichtiger, weil wir es leid sind, weitere Anfänge sich beenden zu sehen. Zu viele Hoffnungen haben wir begraben, um noch frohgemuts Pandoras Box zu öffnen. Natürlich tun wir es trotzdem. Der Unterschied zur Leichtfertigkeit der Jugend besteht vielleicht darin, dass unser Herz nun flattert, wenn wir es tun, weil unser Herz, weit mehr als unsere ratio, den Niedergang antizipiert. Dann verkehren wir die Warnung des Herzens in die des Kopfes und reden uns selbst ein, dass wir doch unserer Intuition mehr Beachtung schenken sollten – weil sie angeblich doch nicht irrt. Was si d wir Menschen mehr als Herden tiere, die mit Kognition nicht beschenkt, vielmehr herausgefordert sind?

Mehr und mehr fühlen wir uns wie Überlebende eines

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Jedes Jahr, wenn ich mich am Jahresende auf „meine“ Insel zurückgezogen habe, lasse ich die vergangenen Monate Revue passieren: So viele innerliche Polaraoidaufnahmen sind entstanden, so viele konservierte Augenblicke, so viele Begegnungen mit Menschen, deren Lebensweg sich mit meinem kreuzten, fordern noch einmal Beachtung ein! Mal nur kurz, mal länger, mal sind wir Menschen einmal nur aneinander vorbeigezogen, mal einige Schritte zusammen gegangen...

Seit ich vor langer Zeit Mitch Alboms „The five people you meet in heaven“ gelesen habe, frage ich mich, welche dieser Begegnungen für mich „schicksalshaft“ waren, und für welche dieser Personen vielleicht das Aufeinandertreffen mit mir, ohne dass ich mir dessen bewusst war, schicksalshaft war. Ebenso spüre ich nach, welche Begegnungen ich gerne festgehalten hätte, aus welcher Begegnung ich gerne Schicksal gemacht hätte...

Wenn ich

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Adventszeit: Wer sich die Zeit nimmt hinzusehen, beobachtet uns Menschen durch die Straßen hetzen. Wir rempeln andere an, streiten um einen Parkplatz, fluchen übereinander. Das Ziel, Besorgungen zu erledigen, treibt uns alle an - um anderen Menschen, irgendwann, bald, ein Geschenk zu machen.
Wer sich die Zeit nimmt innezuhalten, sieht auf dem Weihnachtsmmarkt uns Menschen sich in der Schlange am Stand vordrängeln. Wir beschimpfen andere, kämpfen um einen Sehplatz am Tisch, wollen schnell, schnell Glühwein kaufen – um unsere Freunde einzuladen und mit ihnen gesellig zusammen zu sein.

Was ist geschehen, dass wir derart selektieren? Dass wir die Dichotomie „Das ist Freund – das ist Feind“ so nötig haben? Wie kann es sein, dass wir mit der Hoffnung, in einigen Wochen ein „danke“ von jemandem zu hören, jetzt den Menschen neben uns zur Seite stoßen?


„Niemand nimmt Rücksicht“, höre ich oft, oder: „Den letzten beißen die Hunde!“ „Wer sich nichts nimmt, kommt zu

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Wieder mal sitzen wir uns in unserer Stammkneipe gegenüber, schieben uns Blicke und Worte zu. Ab und zu tunken wir einen Satz in die Schaumkronen des Stouts, weil wir das Schimmern der nassen Wörter im dämmrigen Tresenlicht bewundern wollen. Und dann, ja, dann spielen sie Razorlights „wire to wire“, tu canción favorita de antes, dein Lieblingslied von früher, als du so geliebt und so gelitten hast. Du pflückst dir ein „ooohhh“ aus der Luft, mit feuchten Augen summst du mit:
„What is love but the strangest of feelings?
A sin you swallow for the rest of your life?
You've been looking for someone to believe in
To love you, until your eyes run dry.“
Ich hebe auffordernd eine Augenbraue, jetzt ist nicht die Zeit zum Weinen. Es gibt nichts zu bedauern, es gibt keinen Schmerz zu antizipieren. Dein Trauern jetzt hilft nicht, zukünftigen Kummer zu erleichtern. Also halte ich mit Héroes del Silencio und „entre dos tierras“ dagegen,
„Déjalo ya
No seas

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