Tagesaktuelle und zeitlose Blogs aus Psychologie, Psychotherapie und Philosophie

Gedanken des Tages

Tagesaktuelle Blogs zu verschiedenen Themen: Glück und Unglück, Liebe und Schmerz, Trauer und Tod, Hoffnung und Sinnsuche, Krankheit und Trost

In der Psychotherapie gehen uns die Ressourcen aus: Wenn im Rahmen der Behandlung von Depressionen, aber auch von Angst- und Suchterkrankungen, es i.d.R. immer dazu gehört, einen Aktivierungsplan mit einem Genusstraining zu verknüpfen, ist es heute selten, auf die Frage: „Was tut Ihnen gut, was machen Sie gerne?“ mehr als ein hilfloses Schulterzucken zu erhalten.

„Ja, Depressive kommen kaum an ihre Ressourcen“, mag nun jemand argumentieren, doch deswegen schieben wir gerne die Frage nach „Was haben Sie früher gerne getan?“. Die meisten von uns werden im Laufe der Karrierejahre so von Zeitmangel in die Knechtschaft genommen, dass vieles von dem, was uns in früheren Lebensphasen noch zugänglich war (und seien es Spieleabende mit Freunden, Städtetrips, Saunabesuche oder Tennis!), abhanden gekommen ist. Doch erinnern wir, dass uns diese Aktivitäten früher einmal Freude bereiteten, uns vielleicht auch in schwierigen Zeiten, Krisen, stabilisierten... Was bleibt davon heute? ... Weiterlesen ...

Wir liegen auf dem Bauch auf deinem abgewetzten Teppich und starren das verblasste Weinrot vor uns an. Als deine Nachricht mich erreichte, hatte ich diese zwei freien Tage ursprünglich schon anders verplant, und doch weiß ich, wissen wir voneinander, wann wir füreinander dazusein haben – auch, wenn 600 km uns trennen. Also setze ich mich in den Zug, und nun bin ich hier.

Ich blättere das imaginäre Fotoalbum, das wir uns vor uns liegend vorstellen, um und lache: „Weißt du noch“, frage ich, als wir im Wald übernachteten und unseren Schafsack direkt neben dem Bach ausbreiteten?“
Und ob“, grinst mein alter Freund, „wir haben vier Stunden versucht zu schlafen und

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Durch den vernebelten Morgenregenschleier entdecke ich eine vertraut wirkende Gestalt, einen Regenschirm über sich haltend, die steile Treppe zum Kirchlein hinaufsteigen. Ich hüpfe hoch, reiße beide Arme winkend hoch und renne ihr, immer zwei Treppenstufen auf einmal nehmend, entgegen.
Erst, als die Frau einen Meter von mir entfernt ist, erkenne ich, dass ich sie eben nicht kenne. „Oh“, sage ich, „entschuldigen Sie – ich habe Sie verwechselt!“
Die Dame grinst mich an: „Das macht gar nichts – man sieht heute so selten freundliche Gesichter!“
„Ja“, stimme ich zu und halte mir eine Hand vor den Mund, „das liegt wohl auch an der aktuellen Maskerade – sie schottet uns voneinander ab!“
Und wir beginnen eine angenehme Plauderei über das, was uns als Menschen verbindet, was uns wichtig ist, während wir uns langsam einregnen lassen und das aufgehende Rosenrot die Stadt

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Während einiger meiner Freunde sich bereits in die freiwillige Selbstisolation zurückgezogen haben, um jeder möglichen Gefährdung und Gefahr durch Ausharren aus dem Weg zu gehen, spüren andere Freunde ebenso die Tatendrang: JETZT will sich noch getroffen werden, JETZT will dieses oder jenes noch erlebt sein. Die Atmosphäre ist von einer ängstlichen Dringlichkeit erfüllt, von einer Erwartungshaltung, dass uns erneut jeden Moment unsere Autonomie, für unsere Bedürfnisse einzustehen, abgesprochen wird.
Freiheit, Selbstbestimmung, Beziehung und Bindung sind ebenso wie Sicherheit, Gesundheit und Bewegung Bedürfnisse. Niemand kann, niemand darf sie für uns reglementieren, niemand darf sie uns nehmen. Wenn wir schon, nach Hannah Arendt, über kein Menschenrecht an sich verfügen,d ass wir nicht immer und immer wieder neu aushandeln, neu erstreiten müssen, so teilen wir mit allen anderen

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Lange schon ist der Traumatherapie bekannt, dass mit bloßem Reden über das Furchtbare kein Trauma aufzufangen oder gar aufzulösen ist. So haben sich zur Traumabewältigung und Reduktion der posttraumatischen Stresssymptome unterschiedliche therapeutische Ansätze entwickelt, die von Imaginationsarbeit wie in der Hypnotherapie, über Konfrontation mit dem angstauslösenden Stimulus bis hin zu EMDR reichen. (Eye Movement Desensitization and Reprocessing verbindet imaginative Konfrontation mit Augenbewegungen, um das immer wieder in die Gegenwart flutende Trauma schließlich als vergangen ad acta legen zu können.)
Und doch ist bereits seit der Schaffenszeit des humanistischen

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Heute also ist es wieder soweit: An einem wolkigen, verregneten Tag, dem 9. Mai 1921, wurdest du geboren. Ich war schon geübt im Gebären, du warst mein 3. Kind, das verunsicherte mich nicht.

Und doch wurdest du in eine Atmosphäre der Unsicherheit hineingeworfen. Eine Atmosphäre, die schnell, viel schneller als gedacht, zu einer Stimmung der Angst wurde. Vielleicht war es bereits ein Vorbote der Wolke des Hasses, die sich irgendwo dort hinten am Horizont begann zusammenzuballen, dass Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti  in einem mehr als fragwürdigen Prozess wegen angeblichen Raubmords im September zum Tod verurteilt und,

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Wer sich heutzutage fürchtet, tut sich leicht(er): Er fürchtet sich VOR etwas. In der Regel davor, dass eine bestimmte Situation eintritt. Er fürchtet sich, sich oder seinerseits andere anzustecken, krank zu werden, dahinzusiechen. Also wappnet er sich mit Atemmasken, schluckt Vitamine, stärkt sein Immunsystem, isoliert sich, folgt politischen Vorgaben, raunzt andere Menschen an, wenn der geforderte Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten wird. Angst zu haben jedoch ist wie Don Quijotes Kampf gegen Windmühlen. Angst entzieht sich. Wo, was, wer und wie sind die Angstgespinste, gegen die ich mein Schwert erheben kann?

Kurz: Wer sich fürchtet, kann sich rüsten, kann etwas TUN. Wer sich ängstigt, glaubt sich ausgeliefert, sieht sich wehrlos, hilflos.

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In meiner Studentenzeit verdiente ich mir mein Auskommen selbst. Einmal hatte ich einen kleinen Job: Bei einem großen Event heuerte ich als Wahrsagerin, als Orakel an. Es war ein riesig inszeniertes Firmensommerfest, und ich rückte mit einem bunten Zelt, meinen Tarotkarten, einer Glaskugel und meiner schwarzen, langen Perücke an. Ich war relativ bewandert im Hand- und Karten lesen. Manch einer mag sich fragen, woher diese Kenntnisse stammten - hatte ich doch bereits Psychologie studiert, die sich, damals noch stärker als heute, als Naturwissenschaft etabliert glaubte. Die stärksten Gegner der Naturwissenschaft sind wohl Esoterik, sind Mystik und Prophetentum – wie vielleicht die Theologie das Hinterfragen der Philosophie herausfordert: Und genau deswegen tauchte ich in deren Abgründe ein – ich wollte verstehen, nach welchen Prinzipien sie sich richten.

Sobald ich meine Orakelstätte eingerichtet hatte, in

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Es scheint eine Zeit, in der Solidarität hoch gepriesen und kaum gelebt wird. Eine Zeit, in der du durch die stillen Straßen eilst und Passanten sich, sollten Wege sich kreuzen, Ausscherspuren durch den Matsch am Wegesrand pflügen. Du versuchst, einen Blick mit einem Lächeln einzufangen, doch jeder hat seinen Kopf längst in die andere Richtung gedreht – sogar Hunde, die an einer Schleppleine laufen, werden als potentielle Gesundheitsgefährder mit zusammengekniffenen Augen und zusammengepressten Lippen beäugt. Die Welt hat wieder einen Feind und zieht sich zusammen, macht sich klein: Grenzen sind hochgefahren, Gesichter verdeckt, alles, was hineinlassen könnte, Landesgrenzen, Türen, Fenster, Nasenlöcher, Münder, Augen und Ohren werden verengt und abgedeckt.

Zettel kleben an Türen: Nachbarschaftshilfe wird ausgelobt. Menschen, die für andere einkaufen würden, selbstverständlich kostenlos.
Zettel kleben an den Supermärkten: „Abstand halten, mindst. 1,5 m“. Und die

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