Einsamkeit schleicht sich immer dann von hinten an, wenn wir uns klein, wenn wir uns hilflos fühlen. Selbst inmitten vieler Menschen kann sie dich umzingeln – wieder einmal bist du in einen Hinterhalt gelangt. Du könntest zum Telefonhörer greifen und deinen Liebsten anrufen, doch nur, um des Nachbarn Zwergkaninchens Probleme zu hören. Würde dies das Schreien deiner Gedanken übertönen?

Als ich kürzlich als Ersthelfer bei einem furchtbaren Unfall in Wien war, verlor ich mich später, viel später in den Fluten der Nacht. Es ergab keinen Sinn mehr, noch auf die Party zu gehen, auf der ich Freunde hätte treffen können, mein Pensionszimmer erschien mir als Schrein.

Manchmal ist es schwer, auch in der Wiederholung der Ereignisse kein Zeichen für sich sehen zu wollen, keinen versteckten Hinweis einer wie auch immer gearteten Fügung hinein interpretieren zu wollen. Nein, die Welt dreht sich nicht um uns, es gibt keinen Anlass, irgendetwas auf mich zu beziehen. Mit jedem Atemzug verschwinden wir alle mehr im Nichts.

Und doch: Da bist du, der andere, der sieht, was ich nicht sehen kann.

Komm, schau mich an und gib mir Ansehen. Spiegel meine blinden Flecken, blick mir ins Gesicht und sag: Ich sehe durch deine Maske hindurch. Für dich will ich sie fallen lassen

Bildquelle: fotolia.de

Du sagst, du zweifelst, ob du jemals wieder lieben kannst. Du sagst, du hättest deine Heimat verloren, als dein Herz in zwei gerissen wurde. Nie mehr vertrauen willst du, wütest du nun, niemandem mehr die Hand reichen, um dich selbst zu spüren.

Ich blicke dich an und erkenne deine Verletzung – doch lass deine Verletzbarkeit dich nicht erfrieren. Das, was du nicht selbst sehen kann, sehe ich für dich – ich nehme es an, segne es, biete es dir an und gebe es dir zurück. Deine Liebe ist immer die deine, sie entsteht und wächst in dir. Wenn sie niemand mehr will, kehrt sie in dein eigenes Herz zurück – halte sie warm, bis du sie wieder verleihen magst.

Irgendwo ist jemand, in dessen Armen du sicher, geborgen bist. Irgendwie ist jemand, der dich sanft wiegt, wenn du verzweifelt bist. Lass deinen Kopf an dieser Schulter ruhen, schließe die Augen und lass den anderen dir beschreiben, was er durch deine Augen sieht.

Meint lieben nicht, im Dunklen für den anderen zu sehen? Auch, wenn das Dunkle in seiner eigenen Seele liegt?