Ich kenne kaum jemanden, dem 2016 wirklich wohl gesonnen schien – Dieses Jahr war voller Schmerz, ein jeder hatte seinen eigenen Dämonen gegenüberzutreten. Schuld, Leid und Tod traten aus dem Schatten heraus, führten uns die Endlichkeit vor Augen, erinnerten uns daran, wie wenig Zeit bleibt, um sich auszusöhnen.

Halte einen Moment inne, betrachte die, denen du noch vergeben sollst – ist es nicht das, was du auch von den anderen dir wünscht?

Es scheint ein Jahr des Abschiednehmens, der Trennungen, des bitteren Verrats – wir verloren die, die wir liebten, an den Tod, andere mussten wir in die Einsamkeit des Lebens entlassen, das Alleinsein spüren. Was rettet dich in jenen dunklen Nächten, die den düsteren Tagen folgen?

Wie leicht es ist, all die kleinen Momente zu vergessen, die, wenngleich nicht erfüllend, nicht superb, doch lindernd waren. Wie leichtfertig, nur des großen Leids zu gedenken, und die Liebe, und den großen Mut, die du erfahren hast, zu ignorieren. Und jeder Moment der Liebe bringt dich näher zum Moment der Transzendenz – erlaubt dir, vielleicht für eine Sekunde nur, Ganzheit im So-Sein zu empfinden.

Viele Klienten, die mit Beziehungsthemen zu mir kommen, möchten meinen Rat. Soll ich gehen oder bleiben, fragen sie mich. Oft scheint die Dreieinigkeit aus Eros, Philia und Agape, die eine tragfähige, liebevolle, stabile Beziehung bewirkt, nicht nur erloschen, sondern nie präsent gewesen zu sein. Oft wurde nur eine Komponente, manchmal zwei, gelebt – so entstand ein Ungleichgewicht.

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Doch Magie, der Zauber, der der Liebe innewohnt, entsteht nur, wenn in Partnerbeziehungen Eros (die lustvolle, körperliche Liebe, die nimmt und sich befriedigt), Philia (die freundschaftliche Liebe, die teilt und sich mit dem Partner freut) und Agape (die mitfühlende, bedingungslose Liebe, die bereit ist, sich für den anderen aufzuopfern) zusammentreffen.

Agape scheint dabei jene Form der Liebe zu sein, die für viele unerreichbar bleibt. Zu sehr erwarten wir vom anderen, dass er unseren Erwartungen entspricht, sich zu unserem Gefallen verhält, dass er uns glücklich macht – wir knüpfen unsere Liebe an Bedingungen. Und sehen somit zu, wie, langsam, wie ein See umkippt, auch Philia und Eros zugrunde gehen.

Frage dich, ob es dir (noch) gelingt, das Beste in deinem Gegenüber zu sehen – das, was vielleicht ihm selbst noch verborgen ist. Kannst du ihn erkennen, wie er sein wird, wenn er der geworden ist, der er in Wahrheit ist? Kannst du genauso mit ihm umgehen, als ob er sein höchstes Potential schon jetzt verwirklicht?

Kannst du es in dir selbst spüren?

Vieles ging zu Ende – vieles beginnt nun neu: 2016 ist ein Jahr des Wandels. Das, was nicht mehr lebens-, nicht mehr liebesfähig war, löst sich auf. Es beginnt die Zeit des potentiell Möglichen, des Guten. Danke dafür.