Jeder Einzelne ist jeden Tag gefragt, Stellung zu sich in dieser Welt zu beziehen.

Wir als Philosophen müssen unserer ethische Verantwortung, Stellung zum Menschen in dieser von uns konstruierten Welt zu nehmen, laut und deutlich nachkommen. Wir können uns nicht hinter unseren Büchern verstecken, uns selbst vorgaukelnd, die Welt draußen hätte nichts mit uns zu tun, auch und eben weil wir drinnen an unseren Schreibtischen sitzen und sinnieren, während andere draußen sind und das verteidigen, was wir erdachten: Die Reglementierung unserer Menschlichkeit. Wir tragen zur Gesetzbildung bei, das muss uns deutlich sein.

Gerade weil es keinem mehr gelingt, den Niedergang der Menschlichkeit nur jenseits unserer Grenzen zu sehen – gerade weil jeder Einzelne von uns als Mensch erst das Abstraktum Menschlichkeit konkretisiert, sind wir gefragt, uns selbst zu über-denken, vielleicht uns neu zu er-denken.
 
Wir wollen nicht erleichtert sein, wenn das Gräuel ein einzelner Täter verübte, wir wollen nicht erleichtert sein, wenn die Grausamkeit „nur“ Amok und kein Terror ist. 
Wie furchtbar, das Ausmaß der Betroffenheit von der Nationalität des Täters abhängig zu sehen, wie schlimm, denken zu müssen „wenn es ein Deutscher war, wird es nicht diese tragische Wirkung auf die Zunahme des Rassismus haben“. 
Wie traurig, erleichtert sein zu müssen, wenn die, die wir lieben, in Sicherheit sind und andere ihre Toten betrauern müssen.Im Aikido lernte ich, dass es nicht die Waffe ist, die tötet, sondern der Mensch, der sie führt.Lasst uns dem Vorwurf der Naivität ins Gesicht lachen, lasst uns Unmögliches erspinnen, um Mögliches real zu machen: Lasst uns Utopien einer friedlichen, waffenlosen und gerechten Welt wie ein Sandschloss bauen, von der Neuverteilung der Ressourcen träumen, von der Bereitschaft, zu teilen, was uns im Übermaß gegeben ist. Lasst uns diskutieren, wie wir schon unseren Kindern Strategien zeigen können, den Menschen in sich nicht zu verlieren.Lasst uns von einem Miteinander sprechen, in dem jeder sich selbst im Anderen gespiegelt sieht.Lasst uns unsere Menschlichkeit rekonstruieren.