Kürzlich begab ich mich auf Spurensuche eines meiner Vorfahren: Ich wanderte den Caspar-David-Friedrich-Weg entlang, der ein Teilstück des Malerwegs in der Sächsischen Schweiz beschreibt.

Dabei ging es mir weniger um die Begegnung mit der Vergangenheit – denn sie existiert nur als Fiktion, sie ist nicht wirklich greifbar, wir erschaffen sie jedes Mal neu, wenn wir sie uns in den Kopf zurück (zurecht) rufen: Ich wollte der Vergänglichkeit begegnen.

An den detailliert beschilderten Plätzen, an denen CDF viele Stunden verbrachte, um Landschaften und Eindrücke auf Papier zu bannen, hielt auch ich inne: Ich atmete tief ein, stellte mir vor, wie er, so lange vor mir, hier saß oder stand und den Blick gen Himmel richtete. Fragte auch er sich, ob jemals Antworten zu finden sind?

Ich musste schmunzeln: Als junge Studentin war unsere an „per Anhalter durch die Galaxis“ angelehnte Antwort auf die Frage aller Fragen doch stets: 42! Doch: Was war die Frage aller Fragen?

Wer niemals fragt, muss keine Antworten suchen. Vielen Menschen mag es gelingen, dieses Bestreben nach einem Blick hinter die Kulissen, diese Wahrheitsuche, vielleicht gar nicht, vielleicht nur kurz zu spüren – es scheint leicht, sich selbst mit fadenscheinigen Ausflüchten und lauter Ablenkung vom Fragen weg durchs Leben zu bringen. Bleibt so Leid erspart oder bahnt es sich dennoch seinen Weg ins Leben, lähmt als gähnende Langeweile und Apathie hinter all der Vergnügungssucht jeden Drang, sich zu entwickeln?

Und doch: Wer sich den Fragen des Lebens nicht stellt, die Konfrontation mit der offenkundigen Sinnlosigkeit des Seins, die den Sinn, der dennoch dahinter durchscheint, maskiert, wird die existentielle Frustration betäuben müssen. Abhängigkeit, Aggression oder Depression ergeben sich daraus, stellte schon Viktor Frankl fest.

Dort, auf meinem Weg durch die regengetränkten Wälder und Felder, versuchte ich wahrzunehmen, die leicht die Überwindung des eigenen Ichs doch fallen kann: Wo auch immer ich meinen Fuß hinsetzte, ein anderer war vor mir da, ein anderer wird folgen. Menschen hinterlassen große und kleine Taten, tiefe und sanfte Spuren. Und ein jeder lebt.

Bildquelle: eigene Fotoaufnahme

Zurück in Dresden standen zwei junge Männer in der Fußgängerzone: Es war kalt und nass, die Menschen eilten vorbei. „Free hugs“ stand auf einem Schild vor ihnen und einer der beiden lächelte mich an. „Ich nehme eine“, lachte ich, und für einen langen Moment hielten wir, zwei Unbekannte, zwei im Universum der Sinnfrage Gestrandete, uns ganz fest. Für diese Sekunden verwoben wir unsere Schicksalketten ineinander. Wir spürten, was es heißt, Mensch zu sein.

Darum geht es mir in diesem Leben, das ist meine Essenz des Seins: Wir alle sind, und wir sind allein. Und doch sind wir, auf irgendeine Art, uns selbst überwindend, auf einer metaphysischen Ebene als Menschen vereint.