Wie viele Träume hast du dieses Jahr begraben? Welche Liebe nicht gelebt? Welchen Glauben hast du aufgegeben? Wie viel hat es gekostet, nicht, es wäre doch so einfach, aufzugeben?

Vielleicht hast du eingesehen, dass es für dich doch keine Hoffnung gibt – alles, was sie versprach, ist als Lüge entlarvt. Kein Sonnenuntergang wartet darauf, dass du in ihn tanzt, kein grüner Hügel lädt dich zum Hinunterlaufen ein. Alle Tränen sind geweint, alle Berührungen umsonst.

Was bleibt scheint nur das Warten auf die Linderung der Traurigkeit. Nicht, weil du noch denkst, sie könne je vergehen, sondern weil irgendetwas anderes sich wie ein dickes Tuch darüber legt. Lange schon weißt du, dass sie darunter wartet - nicht behände lauernd wie die Verzweiflung und das Entsetzen, sondern träge mäandernd wie ein gemächlicher Strom.

Du hast alle Schichten abgezogen, glanzlos rostet dein skelettiertes Ich dahin. Woran hältst du dich nun fest?

Im „Handbüchlein der Moral“, das die Lehre Epiktets zusammenfasst, findet sich im elften Abschnitt:

„Sag nie von einer Sache: „Ich habe sie verloren“, sondern: „Ich habe sie zurückgegeben.“ Dein Kind ist gestorben? Es wurde zurückgegeben. Diene Frau ist gestorben? Sie wurde zurückgegeben. „Man hat mir mein Grundstück gestohlen.“ Nun, auch das wurde zurückgegeben. „Aber es ist doch ein Schuft, der es mir gestohlen hat.“ Was schert es dich, durch wen es der Geber zurückforderte? Solange er es dir zur Verfügung stellt, behandle es als fremdes Eigentum wie die Reisenden ihre Herberge.“


Das, was dir genommen ist, und das, was vielleicht nie war, dir nur versprochen schien, ist nicht verloren. Es existiert doch weiter – es ist in dir, wie du in allem anderen bist.
Was dir bleibt, ist deine Vorstellung, ist ebenso Erinnerung. Du brauchst nicht zu trauern. Du stehst allem, was geschieht, als Idee gegenüber: Du kannst Stellung beziehen, kannst dich selbst definieren. Wer willst du sein? Verhalte dich dann so.

Die Essenz der Menschen und der Dinge für dich ist dein Gefühl, aus deiner Ideenwelt geboren, all dem gegenüber. Das geht nicht verloren, denn es entsteht in dir. Wenn du willst, bewahre es, zehre davon, halte es in dir. Es benötigt kein Gegenüber, um zu sein. Und alles, was ist, bleibt, Irgendwo. In seiner eigenen Zeit. Du gehst weiter, (er-)findest dein Lächeln neu.