„Ich glaube fest daran, dass, wenn wir selbst heilen, die Welt mit uns heilt“, sagte vor kurzem während einer Traumatherapie-Fortbildung eine Teilnehmerin.

Können wir heilen? Ist es wirklich möglich, von dem, was niemals hätte geschehen dürfen, was du aushalten musstest, ganz zu heilen? Wie lange wird dies dauern? Reicht die Unendlichkeit dafür?

„Jede unendliche Teilmenge einer abzählbaren Menge ist abzählbar. Abzählbare Mengen haben den kleinsten Grad von Unendlichkeit“, las ich neulich in einem Mathematiklehrbuch – und war gebannt vom Zauber dieser Vorstellung: Unendlich ist präsent, ist überall, sogar, wenn sie gefangen scheint von einem Zaun aus Zahlen.

Unendlichkeit ist hier gegeben, sie liegt in meiner Hand. Wie ein neugeborener Welpe mit dunklem, seidigen Fell schmiegt sie sich in meine Handfläche, ich kann sie berühren, streicheln, halten. Der kleinste Grad Unendlichkeit umfasst doch bereits die gesamte Unendlichkeit, so ist in diesem einen Hier und Jetzt all die Zeit geborgen. Dieser eine Moment ist die abzählbare Menge, die unendliche Teilmengen aus Seins-Instanzen beinhaltet. So wird der Moment selbst ewig, dehnt sich aus, und doch ist er greifbar, ich nenne ihn beim Namen: Du bist eins, du bist jetzt.

 

Können wir heilen? Können wir ganz ganz werden?

 

Vielleicht nicht, wahrscheinlich nicht: Und doch ist es möglich, all die Narben, die das Leben schlug, glätten zu können. Und vielleicht macht eben das die Heilung aus: Dich selbst wieder als Teil des Lebens zu sehen, dich selbst in all der Lebendigkeit, die dich erfüllt, spüren zu können. Und damit auch der Welt zu ermöglichen, an dir zu genesen.

Was für ein wundervoller Gedanke, welch´ erfüllende Vorstellung: Wenn ich heile, heilt die Welt. Die Welt will an mir heilen, ich will an der Welt heilen.

Wenn ich mir erlaube, ein Stückchen ganzer zu werden, wird auch die Welt ein Stückchen ganzer. Wenn ich beginne, gut für mich selbst zu sorgen, kann die Welt besser versorgt sein. Vertraue.