Kürzlich lud mich der Lehrstuhlinhaber meiner Fakultät, der nicht nur mein Chef, sondern auch ein lieber Freund geworden ist, ein, an einem Projekt zum Thema „Natürliche und Künstliche Intelligenz im Anthropozän“ mitzuwirken, das u.A. einen Vortrag im Rahmen des Ladenburger Diskurses erforderte.

Ich freute mich sehr, meine Ansichten präsentieren zu können, die dystopische Zukunftsszenarien, in denen autonome künstliche Intelligenzen die Menschheit eliminieren, entschärfen. Viel wichtiger erachte ich es, nach Möglichkeiten zu suchen, unsere Menschliche Intelligenz (auch durch Nutzen von KI) vor allem in ihren ethischen Implikationen zu stärken (statt weiter den Niedergang unserer akademischen und, eher noch: unserer sozialen / emotionalen Intelligenz auch durch den übermäßigen Gebrauch von KI zu beobachten).

Als ich das Vortragsprogramm sah, entdeckte ich, dass ich nach Prof. Dietrich Dörner sprechen sollte. Sofort regredierte ich auf den emotionalen Zustand einer Zwanzigjährigen: Prof. Dörner war für mich einer der „Stars“ meines beginnenden Interesses für den Bereich der Künstlichen Intelligenz der 1990er Jahre... Ich bewunderte seinen ungewohnten Ansatz, seine innovativen Ideen und in den Seminaren, die ich besuchte, las ich sein bekanntestes Buch „Bauplan für eine Seele“ - ein Buch, das ich, Jahre später und schon läbgst selbst Lehrbeauftragte an der Universität, mit meinen Studierenden erneut heranzog.

Natürlich teilte ich Hr. Dörner meine Ambivalenz, als ich ihn auf dem Diskurs traf, mit: Wie sehr ich mich freute, und dass ich auf der anderen Seite aufpassen müsste, nicht in Ehrfurcht zu erstarren. Vielleicht war diese Ambivalenz und die wunderbar menschliche, zugängliche Umgangsweise meines „Stars“ der Grund, weshalb ich mit kaum einer Zeile meinen ursprünglichen Vortrag präsentierte, sondern viel mehr spontan auf die möglichen Auswirkungen des vermehrten Medienkonsum bei Bezugspersonen von Kleinkindern auf unsere Emotionale Intelligenz / unser Empathievermögen einging.

Neulich tauschte ich mich mit einem Bekannten bei einem Kaffee aus und er erzählte von seiner empfundenen Dringlichkeit, Spuren zu hinterlassen: Er sah es als absolute Notwendigkeit an, für andere Personen so wichtig zu sein, dass sie ihn brauchen würden. Ich war entsetzt: Solche Spuren will ich nicht hinterlassen. Ich will alles daran setzen, eben keine bleibenden Abdrücke zu hinterlassen – denn ob diese sich positiv oder negativ auswirken, liegt nicht in unserer Hand. „Selber denken!“ ist meine Devise, sowohl bei meinen Studierenden und auch meinen Klienten gegenüber (nicht immer mache ich mir damit Freunde...)


Und doch will auch ich einen Unterschied bewirken, meine Existenz soll Unterschied sein: Es soll nicht gleichgültig sein, ob ich bin oder nie gewesen war. Ich will meine Ideen in beide Hände nehmen, wie Pusteblumen der Luft übergeben, will sehen, wie sie aufsteigen, manche niedersinken, andere von der lauen Sommerbrise weitergetragen werden. Ich stehe der Welt und dem, was mit ihr geschieht, nicht gleichgültig gegenüber, und sie soll es mir gegenüber ebensowenig tun. Hier meine ich nicht (nur) deren menschliche und tierische Bewohner, ich meine auch den Wind, den Sand, die Erde und die Luft, kurz: Ich meine das, was sich zu unserer energetischen Atmosphäre verdichtet, in die wir eingebettet sind. (Und das, was ich „meine“, mache ich mir zu eigen, hole es in meine Wirklichkeit).

Als wir uns verabschiedeten, meinte Prof. Dörner zu mir, wie sehr er sich freue, durch meine Worte zu ihm bestätigt zu sehen, dass es nicht „umsonst“ war, was er tat.

Oh nein, Sie sind bedeutender Unterschied.