Spuren lesen - Gesprächstherapie

Spuren lesen

"Mit jedem Menschen ist etwas Neues in die Welt gesetzt, was es noch nicht gegeben hat, etwas Erstes und Einziges.“ 

und

„Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas. Ich zeige Wirklichkeit, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand und führe ihn zum Fenster. Ich stoße das Fenster auf und zeige hinaus. Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.“

(Martin Buber)

Carl Rogers orientierte sich an den Lehren des jüdischen Existenzphilosophen Martin Buber. 

Grundlage der Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers ist die Selbsterforschung (Selbstexploration) des Klienten. Durch ungünstige Bedingungen in der Interaktion mit anderen Menschen, vor allem in der früheren Kindheit, werden eigene Gefühle zerzerrt wahrgenommen. Diese im Selbst inkongruent repräsentierten Emotionen führen zu Anspannungen und Ängsten. Im therapeutischen Prozess begibt sich der Klient nun auf die Suche nach den inneren Ängsten, den verzerrten Gefühlen, um diese legitim und authentisch benennen zu können und in sein Selbstbild zu integrieren. Dies führt zu einer Lösung der psychischen Anspannung. Aufgabe des Therapeuten ist es, sich in die Gefühlswelt des Klienten hineinzuversetzen und dem Klienten die, teilweise vorbewussten, emotionalen Erlebnisinhalte aufzuzeigen. Diese Art der Therapie ermöglicht vor allem bei Lebenskrisen, Depressionen, Ängsten und Selbstwertproblematiken wirkungsvolle Konfliktlösungen und Besserung der psychischen Befindlichkeit.

 

Viktor Frankl, der jüdische Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, war Überlebender mehrerer Konzentrationslager. Das Werk, das seine Erfahrungen dort behandelt, ist unter den Top 10 der weltweit meist gelesenen Bücher: "Trotzdem ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager" veranschaulicht seinen Therapieansatz dramatisch. Wir Menschen als noetische (geistige) Wesen verfügen auch angesichts der größten Tragödien unseres Seins über die Fähigkeit, als "tragischer Held" unserem Schicksal zu trotzen. Jeder Augenblick beinhaltet in sich die Aufforderung, in ihm Sinn zu finden - als homo patiens, als leidender Mensch, stehen wir vor der Herausforderung, Stellung zu beziehen. Als tragische Trais gehören Schuld, Leid und schließlich Tod unausweichlich zu unserer Existenz dazu - und doch sind wir frei, "unserer Angst ins Gesicht zu lachen".